Tony Mudrack Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre am Fachbereich Verwaltungswissenschaften der Hochschule Harz mit verschränkten Armen vor dem Halberstädter Dom.

Mit Rennrad und Faible für Finanzen

Tony Mudrack, Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, im Gespräch

Seit März 2021 ist Tony Mudrack Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre am Fachbereich Verwaltungswissenschaften der Hochschule Harz. Der promovierte Ökonom beweist: Für die Öffentliche Finanzwirtschaft braucht es wie für das Rennradfahren langen Atem.

Bitte beschreiben Sie Ihren bisherigen Werdegang vor Ihrer Lehrtätigkeit an der Hochschule Harz.

Nach meinem Studienabschluss 2003 an der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) erhielt ich eher zufällig und zu meiner großen Freude die Möglichkeit, als wissenschaftlicher Mitarbeiter an einem Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre, insbesondere Makroökonomie, zu arbeiten. Diese Option entspannte die damals allgegenwärtige Frage: „Was mache ich nun eigentlich, wo will ich hin?“

Als wissenschaftlicher Mitarbeiter konnte ich erste Lehrerfahrungen sammeln, wobei der Weg am Anfang sehr steinig war und mir bewusst wurde, dass ein guter Hochschullehrer nicht unbedingt vom Himmel fällt. Neben der Lehrtätigkeit konnte ich zudem parallel an meiner Promotion arbeiten, die ich nach Jahren mit einigen Entbehrungen 2009 endlich erfolgreich abschließen konnte. Zwischenzeitlich arbeitete ich mehrere Jahre in einer Projektentwicklungsgesellschaft für Gewerbeimmobilien als Projektleiter. Ungeachtet der doch interessanten und abwechslungsreichen Tätigkeit verließ mich der Reiz an der Forschung und Lehre nie so richtig, so dass ich 2009 die Chance wahrnahm und als Dozent und akademischer Mitarbeiter an die damalige Fachhochschule Eberswalde wechselte. 

An der im späteren Verlauf umbenannten Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde konnte ich umfänglich meiner Leidenschaft – dem Lehren, Forschen und Volleyballspielen – nachgehen. 2014 erhielt ich den Zuschlag in einem Berufungsverfahren der Staatlichen Studienakademie Breitenbrunn (Berufsakademie Sachsen) und wechselte als Dozent und Professor für Betriebswirtschaftslehre ins Erzgebirge. 

Im Jahr 2020 entstand der erste persönliche Kontakt zur Hochschule Harz. Im Rahmen einer Vertretungsprofessur für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt des öffentlichen Haushalts- und Rechnungswesens freute ich mich auf eine neue akademische, aber auch neue geografische Herausforderung. Dass die akademische Herausforderung nunmehr darin bestand, die für Präsenzzeit konzipierte Lehre ad hoc auf Digitallehre zu transformieren, war eigentlich nicht der Plan. Doch mit Beginn der Pandemie waren Kreativität und Innovation hinsichtlich der Lehrvermittlung gefragt. Ein Kennenlernen der Region rund um den Harz blieb mir jedoch zum damaligen Zeitpunkt verwehrt. Doch diesem Manko kann nun begegnet werden: Ich folgte dem Ruf der Hochschule Harz im März 2021 auf die besagte Professur und habe nun langfristig die Gelegenheit, Hochschule, Halberstadt und Region unsicher zu machen. Ich freue mich riesig darauf.

Was hat Sie in Bezug auf Ihren Berufsweg am meisten geprägt?

Das waren sicherlich mehrere Stationen. Zum einen die harten Jahre der Promotion, in denen ich – geprägt von vielen Rückschlägen – lernen musste, mich durchzubeißen und einfach dranzubleiben. Aufgeben war keine Option. Zum anderen meine Zeit an der Hochschule Eberswalde, die mir zu einem Zeitpunkt, als ich bereits mehrere Jahre außeruniversitär beschäftigt war, die Stelle als Dozent und akademischer Mitarbeiter anbot. Natürlich fragt man sich zu diesem Zeitpunkt, ist dies der richtige Weg? Wieder an die Hochschule? Aber kurzum, es war rückblickend die richtige Entscheidung. 

Warum haben Sie sich entschieden, Betriebswirtschaftslehre zu studieren?

Als Vorbild müsste ich natürlich sagen: Das Studium der Betriebswirtschaftslehre fördert das ganzheitliche Verständnis ökonomischer Zusammenhänge sowohl auf gesamtstaatlicher als auch auf unternehmensspezifischer Ebene. So ermöglicht die BWL ja letztlich nicht nur den Blick auf die unternehmensinternen sowie unternehmensexternen Abläufe und Prozesse, sondern durch die Einbindung volkswirtschaftlicher Inhalte auch auf weitere wichtige ökonomische Zusammenhänge. Das wäre eine pädagogisch wertvolle Antwort auf diese Frage. 

Um jedoch ehrlich zu antworten: Ich war der typische Schulabsolvent, der nicht wusste, was er studieren soll. Meine Eltern präferierten ein Studium der Rechtswissenschaften. Aus diesem Grund wurde es kein Studium der Rechtswissenschaften. Aufgrund meiner halbwegs vernünftigen Mathematikkenntnisse und der Möglichkeit, diese im BWL-Studium anzuwenden, wurde es genau dieses an der Viadrina Frankfurt (Oder). Nach den ersten harten Semestern – auch liebevoll als Siebesemester bezeichnet – entdeckt man jedoch langsam aber sicher den Kern eines Studiums. Jeder Studiengang bietet Inhalte, die tieferes Interesse erzeugen, während der Rest einfach „so mitgenommen“ wird. Bei mir war es die Volkswirtschaftslehre, die plötzlich die Gelegenheit bot, politische Entscheidungen, aber auch gesamtstaatliche Entwicklungen aus eigener Sicht einzuordnen und zu evaluieren. Leider fällt die Evaluation mancher politischer Entscheidungen mit zunehmendem Kenntnisstand nicht immer ganz so positiv aus.

Für welches Forschungsgebiet interessieren Sie sich besonders?

Ganz klar: Ich habe ein Faible für die öffentlichen Finanzen, was kaum jemand in meinem Umfeld nachvollziehen kann. Doch in kaum einem anderen Forschungsfeld treten derartig viele Diskrepanzen (Unternehmensberater nennen dies auch „Herausforderungen“) auf, wie in der öffentlichen Finanzwirtschaft. Nachdem ich mich mehrere Jahre insbesondere mit der Einnahmenseite und der komplexen Verteilung der Einnahmen auf die verschiedenen Gebietskörperschaften konzentrierte, kommt nun sukzessive auch die Ausgabenseite hinzu. Neben den aktuellen Problemen – bedingt durch die COVID-19 Pandemie – und der massiven Schuldenaufnahme, die in den kommenden Jahren eine Tilgungsmöglichkeit sucht, interessieren mich zudem strukturelle Nachteile im Ausgabeverhalten öffentlicher Gebietskörperschaften. So sind beispielsweise insbesondere in dicht besiedelten Regionen höhere Ausgaben pro Einwohner zu tätigen, um gleichwertige Lebens­verhältnisse zu realisieren. Daher werden derartige Ausgabennachteile in den Finanzausgleichssystemen berücksichtigt und über entsprechende Faktoren nivelliert. Doch insbesondere die Höhe dieser Faktoren als auch deren mathematische Anwendung sind höchst umstritten und nur wenig erforscht. Exakt dieses Prädikat „wenig erforscht“ erfreut den hiesigen Hochschulbeschäftigten, da hier noch Raum für viele eigene Analysen gegeben ist.

Warum haben Sie sich entschieden, eine Lehrtätigkeit auszuüben?

Die Freiheit der Forschung und der Lehre – wie also eine Lehrveranstaltung konzeptioniert wird, ist zu Teilen der eigenen Kreativität überlassen. Das mag ich sehr, da sich die Chance bietet, eigene Ideen umzusetzen und zudem über aktuelle Geschehnisse gemeinsam zu diskutieren. Hierdurch gewinnt man durchaus ab und an einen anderen Blick auf die Studieninhalte und zudem auf die Sicht der Studierenden.

Wie wurden Sie auf die Hochschule Harz aufmerksam und warum haben Sie sich dafür entschieden?

Ich mag kleine Hochschulen. Hier findet keine Massenabfertigung statt. Jeder kennt jeden. Gesichter sind oftmals bekannt – nicht immer zum Vorteil des Betroffenen. Studierende können meistens mit Namen angesprochen werden. Vieles läuft an kleinen Hochschulen einfach harmonischer und angenehmer, so dass die Studierenden durch wenige Lehrende und im Gegenzug die Lehrenden durch wenige Studierende geprägt werden. 

Zudem kombiniert der Fachbereich Verwaltungswissenschaften in Halberstadt interessante Inhalte aus den juristischen, sozialwissenschaftlichen, aber eben auch aus dem ökonomischen Spektrum. Aus meiner bescheidenen Sicht bietet diese Interdisziplinarität einzigartige Potenziale in der gemeinsamen Lehre und Forschung.

Durch meine vorherige Beschäftigung im Erzgebirge und dem neu entdeckten Hobby des Radfahrens existiert kaum ein besserer Ort als der Harz und das Harzer Vorland. Während im Erzgebirge ausschließlich reine Bergfahrer gefragt sind und ich ausschließlich als Berg-ab-Fahrer überzeugen konnte, sind in Halberstadt beide Komponenten vereinbar – Berge und Flachland.

Was sind Ihre Aufgaben im Rahmen der Lehrtätigkeit an der Hochschule Harz?

Ich bin einer der Ökonomen am Fachbereich Verwaltungswissenschaften und bediene daher alle ökonomischen Module in den Studiengängen. Derzeit handelt es sich um die Module „Öffentliche Betriebswirtschaftslehre“, „Vertiefung Controlling“ sowie die Bachelorseminare mit ökonomischem Schwerpunkt. Spaß und gute Laune in den Lehrveranstaltungen sind mir wichtig – ungeachtet der doch ab und an trockenen Themen. Ich versuche zudem, auch komplexe Sachverhalte anwendernah zu erläutern – gern auch durchaus unterstützt mit ökonomischen Anwendungsexperimenten.

Welchen Ratschlag können Sie Studierenden für die Zukunft mit auf den Weg geben?

Auch wenn das Studienangebot der Hochschullandschaft Deutschlands mittlerweile erschlagend wirkt und hierdurch der Reiz des schnellen Wechsels gegeben ist: Beißen Sie sich durch, bleiben Sie dran und eine Bitte, sollte einmal etwas schief gehen: Nicht immer ist die Dozentin oder der Dozent schuld (auch nicht fast immer).

Was machen Sie gern in Ihrer Freizeit als Ausgleich zum Berufsleben?

Es klang bereits unauffällig an. Ich bin begeisterter Rennradler – auch wenn ich dank meines Körpergewichts nie ein guter Bergfahrer werde. Daneben fahre ich auch gern mit dem Mountainbike, wobei ich aber das Bergauffahren bevorzuge. Downhill mit dem erschrockenen und todesmutigen Blick in den Abgrund ist eher nicht meine Welt. Zudem spiele ich seit vielen Jahren aktiv Volleyball – auch im Ligabetrieb der Volleyballverbände. Nachdem ich zwei Jahre etwas kürzergetreten bin, werde ich das Volleyballtraining wieder intensivieren.

24.02.2022
Autor/Autorin: Mandy Ebers
Bildrechte: © Hochschule Harz

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